The Highland Exile

Von den Abenteuern des jungen Lukas, welchen sein akademisches Schicksal nach Schottland verbannte, wo er von Leidensgenossen umgeben unerwartete Blüten trieb.

Mittwoch, Juni 21, 2006

This is the End – Letzte Woche und Abschied



Ich habe mich lange gedrückt den Eintrag zur letzten Erasmus-Woche zu schreiben. Es war mit Sicherheit die emotional intensivste Woche, da sie unausweichlich auf den großen Abschied am Freitag und Samstag zuging. Ich werde mich daher kurz halten und nur einige Bilder dieser letzten Tage kommentieren. Das obige Bild zeigt die zwei Schwerpunkte der Woche: alle Erasmus-Studenten kauften sich ein Erasmus-Tagebuch und eine Flagge. Ins Tagebuch ließ man seine engeren Freunde eine Abschiedsbotschaft schreiben und die Flagge liess man signieren. Erst fand ich die Idee ja etwas kitschig, aber jetzt bin ich sehr froh, dass ich zumindest das Tagebuch gekauft habe.



Seit unserer Ankunft haben wir uns geschworen, mindestens einmal im Meer zu baden. Als das Wetter in der letzten Woche stimmte nutzten wir die Chance und machten uns in Badehosen und Bikinis auf zum Strand. Allerdings mussten wir wegen stetigem Wind und doch nicht allzu warmem Wetter etwas darüber anziehen. Alessandro und Carmina wussten sich da am Besten zu helfen.



Das Wasser war sehr, sehr kalt, aber da wir schon mal da waren und in Erasmus alles erlaubt ist wagten wir das Bad dennoch.



Mittwoch und Donnerstag assen wir im engeren Freundeskreis zusammen, signierten die Tagebücher und Flaggen, machten letzte Fotos und tauschten Adressen. Tränen wurden immer häufiger und Samstag kam immer näher.



Donnerstag und Freitag wurde gepackt. Ich brachte schon mal eine grosse Ladung in mein neues Aberdeen Zuhause, währenddem Alessandro versuchte, das Chaos in seinem Zimmer in seinen Koffer zu stopfen.



Dann kam der Samstag. Jacqueline (hier mit meiner momentanen Mitbewohnerin Deburah) fuhr als erste davon. Danach begleitete ich Elisa, Carmina und Alessandro, meine engsten Freunde, zur Busstation und verabschiedete mich.



Vor dem Hauptgebäude Hillheads kam es während dem ganzen Morgen zu herzzerreissenden Abschiedsszenen.



Nachdem die meisten auf dem Weg zum Flughafen waren brachte ich meine letzten Koffer ins neue Haus, zusammen mit Eli und Andrea, die eine Woche später abreisten und ihre letzten Tage mit mir verbrachten. Allerdings war für den Samstag erst einmal nichts mehr mit uns anzufangen – wir waren emotional wie körperlich einfach nur am Ende.



Für etwas Aufheiterung sorgte Henriikka (Finnland), die am Sonntag morgen nach Hause flog und bei uns übernachtete. Um elf Uhr Samstag abends hatte sie zwar gepackt, allerdings sensationell ungeschickt. Sie hatte zwei grosse Koffer und sechs Handtaschen. Deburah und Eli, die schon in Hillhead Henriikkas Mütter gespielt hatten, mussten in einer Notfallaktion umpacken und waren sicher, dass Henriikka Unsummen für Übergewicht zahlen müsste. Aber Henriikka ist ein Glückskind und man erliess ihr für die fünfzehn Kilo Übergewicht jegliche Gebühren.



Todmüde machte ich ihr am Morgen das letzte Frühstück in Schottland, da wir in vollen Zügen genossen. Danach stieg sie in ihr Taxi – und wir zurück ins Bett, wo wir eine Woche Schlaf nachholten.

Freitag, Juni 09, 2006

Wild Wild West – Drei Tage Isle of Skye



Der letzte Trip meiner Erasmuszeit führte mich auf die Isle of Skye, einer Insel an der Westküste die zu den großen Reisezielen aller Touristen gehört. Da wir nur zu viert waren – Melanie, Annalisa, Elisa und ich – gingen wir mit einem Mietauto. Zwar stellte sich das als etwas teurer heraus als das Reisen per Bus, aber wir waren wesentlich flexibler. Wir starteten in Aberdeen kurz nach drei Uhr nachmittags und kamen nach einer wahren Odyssee sechs Stunden später in Portree, der grössten Ortschaft der Insel an. Ein schönes Hostel begrüsste uns mit einer grosser Küche, in der wir Zopf, Schweizer Schokolade, Willisauer Ringli und Baslerläckerli verputzen übrig gebliebene Goodies aus meinem Schweiz-Urlaub).



Am Morgen ging es mit dem Auto auf Endeckungstour. Das erste Tagesziel war der alte Mann von Storr, eine Formation von Felsen die gerade im Nebel wirklich sehr eindrücklich aussah. Ein stündiger Aufstieg durch den Wald führte uns zu diesem beliebten Ausflugsziel, von dem aus man eine traumhafte Aussicht hatte.



Nach einem mageren Lunch, eher enttäuschenden Klippen und einer sehr langweiligen Schlossruine kamen wir zum Fairy Glen, einer kleinen Hügellandschaft in deren Mitte ein grosser Felsen steht, in dems angeblich Feen wohnen.



Als wir vorsichtig durch das mystische Wäldchen spazierten zeigte sich uns sogar eine Fee. Damit der Tourismus zum Feenhügel die kleinen Wesen nicht endgültig vertreibt stimmten wir aber zu, sie nicht direkt zu fotografieren. Nur versteckt in Annalisas Hand ließ sie sich ablichten.



Müde zurück im Hostel kochten wir für einmal nur ein einfaches Abendessen und hauten uns danach bald in die Federn. Der nächste Morgen begrüsste uns mit einem wolkenverdeckten Himmel und so beschlossen wir, als erstes ein Schloss zu besuchen. Der Eintritt stellte sich jedoch einmal mehr als zu teuer heraus, so dass wir nur den Schlossgarten besichtigen. Dieser konnte sich sehen lassen und wurde zum Schauplatz für viele so genannten "stupid pictures".





Als sich die Wolken lichteten fuhren wir Richtung Süden in die Cuillins; eine Hügel- und Berglandschaft an der Küste.



Um nicht nur im Auto zu sitzen sondern uns wieder einmal etwas die Füsse zu vertreten wanderten wir einem Bergbach nach in die Cuillins hinein. Wir fanden zahlreiche schöne Becken und Wasserfälle und kamen schliesslich auf die verrückte Idee, ein kurzes Bad zu nehmen. Das Wasser war schaurig kalt, aber wir zwangen uns, zumindest für ein Foto einmal bis zum Hals einzutauchen. Erfrischend!



Stolz auf das erste Bad in Schottland fuhren wir auf Nebenstrassen zum Hostel zurück. Nach so einem Tag hatten wir etwas Besonderes verdient und so machte ich einen riesen Teller Omeletten, die wir teils mit Tomatensauce, teils mit Apfelmus verspeisten.



Da sich der Himmel inzwischen fast ganz geklärt hatte beschlossen wir, den ersten Sonnenuntergang an der Küste zu sehen und rasten mit dem Auto auf die Westseite der Insel. Es lohnte sich, denn kaum erreichten wir sie versank die Sonne wunderschön glühend im Meer.





Am nächsten Tag hatten wir den ganzen Tag zur Rückreise zur Verfügung und so fuhren wir nicht direkt zurück nach Aberdeen sondern besuchten ein paar Touristenstationen an der Westküste. Die erste war das Eilean Castle, das wir einmal mehr wegen den übertriebenen Eintrittspreisen nicht betraten. Es sah aber auch von aussen eindrücklich aus.



Danach ging es durch das Herz der Highlands, vorbei an Seen die wir als Busreisende wohl nie zu Gesicht bekommen hätten. Das letzte Picknick nahmen wir im Gras am Ufer eines wunderschönen Lochs (schottisch für See) zu uns. Erst jetzt konnten wir sagen, dass wir Schottland von allen Seiten gesehen hatten.





Danach fuhren wir gut 6 Stunden auf einer Nebenstrasse nach Hause. Diese wurde uns als besonders schön empfohlen und stellte sich als guter Tipp heraus. Abseits der Autobahn fuhren wir durch kleine Täler, Wälder und verschlafene Ortschaften, bis wir schliesslich am Horizont die Westküste erblickten. Müde aber glücklich kamen wir in Hillhead an, posierten ein letztes Mal mit dem Auto und gingen dann ins Bett um Schlaf vorzuholen für die letzte Woche und die traurigen Tage des Abschieds.

Mittwoch, Mai 10, 2006

Trautes Heim – Ein Blick nach Hillhead

Nachdem ich bisher nur von Reisen und Ausflügen berichtet habe gewähre ich euch nun gnädig auch mal einen Blick in mein momentanes Zuhause und meinen Arbeitsplatz. Die Studentensiedlung 'Hillhead Halls of Residence' liegt am Nordrand der Stadt und ist etwa 45 Gehminuten von Bahnhof und Zentrum entfernt. Die Häuser sind wahrlich keine Augenweide, aber zumindest die Umgebung ist grün.



In einem der billigsten und schäbigsten Häuser befindet sich meine Wohnung und mein Zimmer. Auf den ersten Blick kommt es einem recht klein vor, fast wie ein Gefängnis. Aber inzwischen fühle ich mich darin sehr zu Hausse, obwohl ich nur zum arbeiten und schlafen da bin.



Unsere Küche, die ich mir mit fünf Mitbewohnern, zwei Franzosen, einem Italiener, einem Amerikaner und einem Inder teile, ist der einzige Gemeinschaftsraum. Fünf Männer, einige davon zum ersten Mal dem mütterlichen Haushalt entrissen, produzieren eine gehörige Unordnung und oft sie die Küche wesentlich schlimmer aus als so:



Damit kann meine sauberkeitsfanatische Seele nicht wirklich leben und immer wieder bekomme ich Putzanfälle, wonach die Küche dann zwar nicht blitzblank ist, aber doch zumindest so aussieht:



Gegessen wird auf einem kleinen Tisch, an dem maximal 3 Leute bequem Platz haben, es sei denn, man stellt die halbe Küche um. Hier meine Mitbewohner Jonathan und Alessandro beim Frühstück.



Was beim Essen übrig bleibt wird manchmal den Möwen gefüttert. Da Hillhead nur wenige hundert Meter vom Meer entfernt ist hat es ziemlich viele und dazu noch sehr grosse Möwen auf dem Gelände. Nachts kommen die Kaninchen aus ihren Löchern, die im Moment gerade am Junge kriegen sind.





Jeden Morgen treten wir den zwanzigminütigen Marsch zur Uni an. Es ist der vielleicht schönste Schulweg, den ich je hatte. Zuerst führt er durch den wunderschönen Seaton Park, der immer wieder Preise gewinnt, vorbei an deiner Kirche gepflasterte Gassen Old Aberdeens.





Die Uni selbst ist eine der Sehenswürdigkeiten Aberdeens, da sie die zweitälteste in Schottland ist. Wunderschöne Steinbauten, innen zwar modern aber von aussen wie ein Schloss.





Inzwischen wecken diese Bilder bei mir schon etwas Nostalgie. Momentan ist nämlich die letzte Uniwoche im Gang und schon in einem Monat werde ich Hillhead verlassen und meinen Mitbewohner auf Wiedersehen sagen müssen. Ist allerdings halb so schlimm. Die letzten zwei Monate meines Aufenthalts werde ich nämlich mit zwei Mitstudenten zusammenwohnen, in diesem, für Aberdeen sehr typischen Granithaus:



Nicht schlecht, oder?

Sonntag, Mai 07, 2006

En medio de la nada – Wandern in Braemar

Nach den drei Ferienreisen dauerte es ganze drei Wochen bis mein Unternehmungsgeist wieder etwas erwacht war. Als uns dann ein verlängertes Wochenende entgegenwinkte entschlossen Melanie, Elisa und ich, zum Loch Nagar zu wandern, das in dem Tal lag, das mein Mami mich bei jedem Telefonat zu besuchen drängt. Also machten wir uns am Samstag morgen kurz vor acht zu dritt – sonst wollte niemand mitkommen – nach Ballater auf, dem Ort, von wo man zum Loch Nagar wandern konnte, einem kleinen Bergsee auf fast 1200 Meter, was für Schottland sehr hoch ist.



Allerdings hatten wir uns denkbar schlecht auf die Reise vorbereitet und befanden uns nach zwei Stunden Busfahrt plötzlich in Braemar, der Endstation. Auf der Touristeninformation sagte man uns, dass es von hier ohne Bus kaum in einem Tag zu schaffen sei, zum Loch Nagar aufzusteigen, wo es übrigens auch noch immer Schnee hatte. So planten wir um und begaben uns auf eine sechsstündige Wanderung auf einen Berggipfel (okay, Hügelgipfel...) und einem anderen Bergsee. Der erste Teil führte auf wunderschönen Pfaden durch ein Hirschreservat – einen Hirsch sahen wir aber leider nicht. Nach knapp zwei Stunden Aufstieg erreichten wir den Gipfel und packten gleich unseren Lunch aus.



Ich hatte ganz vergessen wie gut ein Wanderpicknick schmeckt. Ich hatte eigenes Brot und einen Kuchen gebacken, dazu gab es Houmous, getrocknete Tomaten an Olivenöl, Reis in Weinblättern und Früchte. Dazu konnten wir eine herrliche Aussicht geniessen, die auf dem Foto nur halb so toll aussieht, wie sie war.



Während wir beim Aufstieg Jacken und Pullover im Rucksack verstaut und geschwitzt hatten zwang uns der typisch schottische Hochgeschwindigkeitswind auf dem Gipfel uns warm einzupacken und so weiterzugehen. Der nächste Abschnitt führte uns dann auch erstmals zu einigen Schneeresten.



Der Abstieg ins Tal führte durch eine sehr karge Highland-Landschaft mit niedrigem Gebüsch und Steinen. Etwas trostlos und wenig abwechslungsreich, dafür aber immer noch mit einer herrlichen Aussicht und viel Sonne.



Im Tal angekommen verstauten wir Jacken und Pullover erneut in den Rucksäcken und überquerten ein paar Schafweiden und einen Fluss, um an den Ausgangspunkt des zweiten Teils der Reise zu kommen; dem Weg einem Fluss entlang ein Seitental hinauf zum Bergsee. Obwohl wir etwas knapp in der Zeit waren konnten wir nicht widerstehen, unsere Füsse kurz im Fluss zu baden um sie etwas abzukühlen.



Nach dem kalten Fussbad gingen wir mit etwas schnelleren Schritten voran, da wir den See unbedingt sehen wollten, bevor wir zurückkehren mussten. Unser Bus fuhr um sieben und so berechneten wir immer wieder den Rückweg. Am See gönnten wir uns fünf Minuten, danach ging es dem schönen Fluss entlang Braemar zu. Da unsere Beine beinahe zusammensackten versuchten wir es mit Autostopp, aber kein schottisches Fahrzeug war gewillt, drei erschöpfte Wanderer mitzunehmen. So kamen wir nach über sieben Stunden mit heraushängender Zunge an der Busstation an und liessen uns in die Sitze plumpsen. Wir waren zwar halb tot aber überglücklich, da der Ausflug einer der besten während unseres Aufenthaltes war.



In Aberdeen macht sich der Sommer übrigens langsam bemerkbar. Bei einem Spaziergang am Strand wurde es immerhin so warm, damit dies möglich war:



Allerdings nicht allzu lange. Die Realität sah aber nicht viel anders aus; für gemütliches Freiluftlesen war es allemal warm genug.



Mehr Fotos vom Frühling in Aberdeen in Kürze.

Dienstag, Mai 02, 2006

Hüte kaufen – Wochentrip nach Edinburgh



Nach drei Tagen Orkney Islands und vier Tagen Stirling und Loch Lomond hielt die letzt Ferienwoche einen Ausflug nach Edinburgh, der Hauptstadt Schottlands für uns bereit. Am Dienstag Morgen weckte und der Wecker kurz nach sechs, wir schmierten uns ein paar Sandwichs und machten uns auf zur Busstation. Da eine Zugfahrt nach Edinburgh ein Vermögen kostet fuhren wir mit Megabus, einer Billigbusgesellschaft, die vor allem bei der Beinfreiheit und der Toilettengrösse spart. Dreieinhalb Stunden später krochen wir aus den Sitzen hervor und traten aus dem Bus hinaus in ein sonniges, warmes Edinburgh. Nachdem wir im Hostel zu neunt ein Zwölferzimmer bezogen machten wir uns zu einer ersten Erkundung auf.



Das erste Ziel war Arthur's Seat, ein beachtlicher Hügel in der Mitte Edinburghs. Ich hatte ihn mit Sandra schon bestiegen, als sie mich besuchen kam, weshalb ich allen die Aussicht empfahl und sie zum Aufstieg ermutigte. Es war auch wirklich ein Aufstieg, kein Spaziergang. Auf dem Gipfel waren wir einem Wind ausgesetzt, der einem Rückwärts stolpern ließ und man musste aufpassen, dass man nicht fiel und auf den Felsen aufschlug. Dennoch fanden alle trotz ihrer Erschöpfung, dass sich der Aufstieg gelohnt hatte. Am Fuss des Hügels angekommen waren wir schon fast reif fürs Abendessen. Dieses fand jedoch nicht statt, da wir auf dem Weg nach Hause zufällig an einem Falafelstand vorbeikamen und der Versuchung nicht widerstehen konnten, uns damit vollzustopfen. Danach schlenderten wir glücklich nach Hause und genossen die Aussicht auf die Stadt.



Für mich war nach unserer Rückkehr ins Hostel das erste, meine Kontaktlinsen zu entfernen. Meine Brille war noch immer kaputt und die neuen aus der Schweiz noch nicht angekommen. Danach wurde erst mal eine Weile geschlafen, da wir später planten, an ein Konzert zu gehen. Der Plan wurde zwar auch umgesetzt, aber Alessandro und ich, der ich zudem ohne Linsen blind war, schliefen auf unseren Stühlen ein, so dass wir den Ausgang wegen Erschöpfung abbrechen und uns nach Hause begeben mussten.

Mit neuer Energie bestiegen wir am nächsten Morgen das Schloss. Der übertriebene Eintrittspreis und die kilometerlange Schlage hielt allerdings die meisten von uns davon ab, hinein zu gehen, so dass wir uns trennten. Nach ein wenig Shopping gingen Henriikka und allein in den nächsten Pizza Hut und verputzten je 9 Stücke Pizza. Danach liessen wir uns von den Pizza Hut Angestellten zur National Gallery rollen wo wir mit Carmina und Elisa die recht anständige Sammlung inklusive Rafael und Botticelli bewunderten. Während Kunstmuseumsbesuche meistens sehr ernst sind war die Begleitung von Henriikka ein wahrer Segen. Immer wieder mussten wir uns bei ihren unverklärten Kommentaren das Lachen verkneifen.


Deborah, warm eingepackt

Zum Abendessen gab es Couscous und Gemüse und spanischen Wein, den Freunde von Carmina, die zufällig ebenfalls in Edinburgh waren, mitgebracht haben. Danach gingen wir erneut früh ins Bett – nach einem achtstündigen Spaziergang ist das durchaus gerechtfertigt. Am dritten Tag stand das Royal Museum of Scotland und ein Mittagessen in einem chinesischen Buffetrestaurant auf dem Programm. Das Museum erwies sich jedoch als zu gross, als dass wir es vor dem Lunch ganz hätten durchkämen können, und so verliessen wir es vorzeitig und nahmen im überfüllten Jimmy Chung Platz. Für knapp 15 Franken konnte man so viel essen wie man wollte. Natürlich überassen wir uns alle hoffnungslos, so dass wir kaum noch laufen konnten. Deborah (Malaysia) war jedoch glücklich wie nie zuvor, da sie seit Monaten wieder etwas zu essen bekam, das anständig gewürzt war.

Danach stand erneut shoppen auf dem Programm, und zwar Hüte. In einer guten Stunde kauften Anna Lisa, Lorena (eine Freundin von Elisa, die auf Besuch war), Deborah und ich den Hut unseres Lebens. Selbstverständlich musste dieses Ereignisse mit zahlreichen coolen Fotos gefeiert werden.




Stolz auf unseren Kauf kehrten wir in einer Chocolat Soup Bar ein, wo man verschiedenste Heisse Schoggis bekommen konnte, sowie eben Schokoladensuppe. Schokoladensuppe bekommt man, wenn man ein paar Tropfen heisse Milch mit einer Tasse voller Kakaopulver mischt. Mmmm.



Danach gingen wir zum Hostel zurück und alle außer ich packten ihre Sachen. Ich begleitete sie zur Busstation, sagte auf Wiedersehen und kehrte zum Hostel zurück, wo ich eine Nacht allein mit meinem neuen Hut verbrachte.

Am nächsten Morgen kam Steffi, eine Mitstudentin aus Bern, die momentan ebenfalls ihren Auslandaufenthalt absolviert, nach Edinburgh. Wir bezogen ein neues Hostel, das sich als eines der schönsten und familiärsten in Edinburgh herausstellte. Es hatte einen Wintergarten, in dem wir drei wunderschöne Morgen frühstückten, sowie einen kleinen Hinterhof, wo man sitzen konnte.



Nachdem wir es am ersten Tag nur bis in den wunderschönen botanischen Garten schafften machten wir am Ostersamstag einen Ausflug nach Rosslyn Chapel, einer kleinen aber nicht zuletzt durch den Da Vinci Code sehr berühmte Kirche südlich von Edinburgh. Wie wir aber feststellen mussten hat Dan Browns Bestseller der Kirche nicht gut getan. Das kleine Dorf Rosslyn befindet sich im Da Vinci Code Fieber. Das Restaurant wurde kurzerhand in das Da Vinci Restaurant umbenannt und der Eintritt in die Kirche kostete satte 15 Franken. Wenn man dafür wenigstens eine schöne Kirche hätte wäre es ja noch okay gewesen, aber die Rosslyn Chapel stand unter einem Baugerüst und einem Blechdach.



Von innen war die Kirche zwar durchaus beschaulich, allerdings konnte man sich in den vielen Touristen kaum bewegen. Der Kellerraum, unter dem angeblich etwas verborgen sein soll, dass nicht ausgegraben werden darf, war reichlich unspektakulär, so dass wir mit einigen schönen Eindrücke der Steinskulpturen in den Wänden und Decken sowie den Kirchenfenstern Rosslyn Chapel 15 Franken ärmer wieder verliessen.



Ostern und Ostermontag verbrachten wir in Museen und Parks und kurz vor dem Antreten der Heimreise nochmals im chinesischen Restaurant. Als letztes besuchten wir die St. Giles Kathedrale, in der ich mein Talent als Kirchenfensterfotograph testete. Ich glaub, ich wäre ziemlich geeignet.



Die drei Stunden Heimfahrt waren optisch so ziemlich meine schönsten drei Stunden Schottland. Der Megabus fuhr durch einen wunderschönen Sonnenuntergang, durch einen herrlichen schottischen Frühling. Zu eurem Pech war mein Fotoapparat zuunterst in meinem Rucksack, und der war im Gepäckraum des Busses.